Ist der Anwalt zu teuer?

Eine ebenso provokante, wie berechtigte Frage, haben doch die meisten anderen Berufe weit unter dem Stundensatz des Anwalts liegende Vergütungssätze. Mit dieser Frage müssen sich die Anwälte, ich bin da keine Ausnahme, daher häufig auseinandersetzen, liegen doch die Stundenhonorare in der Regel nicht unter 150 Euro netto. In unserer Kanzlei verlangen wir sogar in der Regel 240 Euro netto pro Stunde.

Wucher? Abzocke? Dem Anwalts geht es zu gut?

Diese Reaktionen sind so häufig, wie falsch.

Ich bin – und so komme ich zu diesem Blogbeitrag – jetzt auf einen hervorragenden Beitrag eines Kollegen zu diesem Thema gestoßen, der in nachvollziehbarer Art und Weise vorrechnet, dass es sich beileibe nicht um Wucher handelt, sondern um klar kalkulierte Preise, die den Anwalt nicht reich machen, sondern sein Auskommen sichern, nicht mehr und nicht weniger.

Hier geht’s zu dem Link des Kollegen: http://www.strafakte.de/karriere/rechtsanwalt-zu-teuer/

Ebenso wie bei den Ärzten sind die Zeiten der weit über dem Durchschnitt liegenden Einkünfte auch bei den Rechtsanwälten lange vorbei. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Viele Kollegen kämpfen aber auch Monat für Monat ums Überleben.

Wir jedenfalls kommen mit unserem Stundensatz „so hin“, Reichtümer anhäufen ist damit aber nicht möglich. Das gilt übrigens auch für die Abmahnungen, die wir für unsere Mandanten aussprechen, da der Aufwand der Bearbeitung dieser Mandate von Außenstehenden weit unterschätzt wird.

Hinzu kommt – im Vergleich zu der Rechnung des Kollegen in dem obigen Link – mindestens noch die zusätzliche Expertise als Fachanwälte, die wir aufzuweisen haben, die nicht nur seinerzeit viel Zeit und auch Geld gekostet hat, sondern eben auch durch die damit verbundenen verpflichtende stete Fortbildungs- und Weiterbildungsverpflichtung laufende Kosten verursacht.

Und: Daneben bearbeiten wir auch viele Mandate nach den gesetzlichen Gebühren des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes (RVG), also nicht nach Zeit. Und dieses wiederum sieht feste Sätze, unabhängig vom Aufwand und Zeitbedarf vor. Alleine davon könnten wir keinesfalls die Kanzlei betreiben. Kollegen, die nur nach dem RVG abrechnen, können das wiederum nur durch die Masse, also eine Art Fließbandarbeit, schaffen. Das wollen wir nicht und wir sind auch der Meinung, dass die Qualität der Arbeit darunter leidet, ja leiden muss.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Ich freue mich über Kommentare und Beiträge.

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Darf ein Anwalt selber abmahnen?

Gestern wurde mir zum wiederholten Mal eine bestimmte Frage gestellt, nämlich diese hier: „Darf ein Anwalt selber abmahnen?“

Ich weiß nicht, wo diese Mär herkommt, aber sie scheint tatsächlich weit verbreitet zu sein. Ich weiß auch nicht,. ob mir das Bild gefallen soll oder, ob ich es schrecklich finde: Der Abmahnanwalt als übergeordnete Instanz, die – gleich einem Sherrif im Western – für Recht und Ordnung sorgt. Bei genauerem Nachdenken hielte ich das eher für besorgniserregend.

Kurz gesagt: Nein, das geht so natürlich nicht. Der Anwalt ist ein Dienstleister. Er wird ausschließlich im Auftrag tätig. Er braucht also ein ordentliches Mandat, sprich einen zu einer Abmahnung berechtigten Mandanten, der den Anwalt dann bevollmächtigt, eine Abmahnung in dessen Namen auszusprechen.

Natürlich kann der Anwalt dann, wenn er selbst betroffen ist, auch in eigenem Namen tätig werden und auch abmahnen. Aber das sind andere Fälle, beispielsweise, wenn der Anwalt sich von einem Kollegen (= Wettbewerber) in seinen Rechten verletzt sieht, wenn also der Wettbewerber bspw. unlauter wirbt. Dann ist der abmahnende Anwalt ausnahmsweise in eigenem Namen tätig.

Aber die Regel ist das nicht.
Man könnte die Antwort auf die eingangs gestellte Frage auch auf den alten, aber immer gültigen Satz reduzieren: „Das wäre ja noch schöner“ oder „Wo kommen wir denn da hin?“