Darf ein Anwalt selber abmahnen?

Gestern wurde mir zum wiederholten Mal eine bestimmte Frage gestellt, nämlich diese hier: „Darf ein Anwalt selber abmahnen?“

Ich weiß nicht, wo diese Mär herkommt, aber sie scheint tatsächlich weit verbreitet zu sein. Ich weiß auch nicht,. ob mir das Bild gefallen soll oder, ob ich es schrecklich finde: Der Abmahnanwalt als übergeordnete Instanz, die – gleich einem Sherrif im Western – für Recht und Ordnung sorgt. Bei genauerem Nachdenken hielte ich das eher für besorgniserregend.

Kurz gesagt: Nein, das geht so natürlich nicht. Der Anwalt ist ein Dienstleister. Er wird ausschließlich im Auftrag tätig. Er braucht also ein ordentliches Mandat, sprich einen zu einer Abmahnung berechtigten Mandanten, der den Anwalt dann bevollmächtigt, eine Abmahnung in dessen Namen auszusprechen.

Natürlich kann der Anwalt dann, wenn er selbst betroffen ist, auch in eigenem Namen tätig werden und auch abmahnen. Aber das sind andere Fälle, beispielsweise, wenn der Anwalt sich von einem Kollegen (= Wettbewerber) in seinen Rechten verletzt sieht, wenn also der Wettbewerber bspw. unlauter wirbt. Dann ist der abmahnende Anwalt ausnahmsweise in eigenem Namen tätig.

Aber die Regel ist das nicht.
Man könnte die Antwort auf die eingangs gestellte Frage auch auf den alten, aber immer gültigen Satz reduzieren: „Das wäre ja noch schöner“ oder „Wo kommen wir denn da hin?“

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